Insolvenzverfahren der Autohaus König GmbH in Berlin eröffnet
Die Autohaus König GmbH, ein traditionsreiches Familienunternehmen mit Sitz in Berlin, hat ein Insolvenzverfahren beantragt. Der Antrag ging bereits am 26. August 2026 beim Amtsgericht Charlottenburg ein; am 01. September 2026 ordnete das Gericht das vorläufige Insolvenzverfahren an (Az. 3616 IN 5523/26), die öffentliche Bekanntmachung folgte am 02. September 2026. Betroffen sind sowohl die Berliner Muttergesellschaft Autohaus Gotthard König GmbH als auch die Tochtergesellschaft Autohaus König GmbH mit Sitz in Teltow. Das Unternehmen, das über 60 Jahre Erfahrung im Fahrzeughandel vorweisen kann, zählt zu den größten Fahrzeug-Handelsgruppen Deutschlands und ist einer der größten Autohändler Ostdeutschlands.
Hintergründe zur Insolvenz
Die Geschichte des Unternehmens begann 1966, als Gotthard König gemeinsam mit seiner Frau Marianne in der Dennewitzstraße in West-Berlin eine kleine freie Werkstatt eröffnete. Seit 1980 ist das Unternehmen Vertragspartner von Renault; die Gruppe bezeichnet sich heute als größter deutscher Renault-Händler und als erster deutscher Händler der Marke Dacia. Durch Übernahmen und neue Filialen wuchs der Betrieb – vor allem in Ostdeutschland – zu einer der größten Autohandelsgruppen des Landes.
Die Autohaus König GmbH bietet eine breite Palette von Fahrzeugen an, darunter Neuwagen, Tageszulassungen, Jahreswagen und Gebrauchtwagen. Insgesamt führt die Gruppe 18 Marken, darunter Renault, Dacia, Opel, Fiat, Jeep, Citroën, Alfa Romeo, Suzuki, BYD und Kia. Der Fahrzeugbestand umfasst nach Unternehmensangaben rund 12.000 Fahrzeuge.
Als Ursache der Zahlungsunfähigkeit wird der tiefgreifende Strukturwandel im Automobilhandel genannt: Der Umstieg vom Verbrenner auf den Elektroantrieb verändert Geschäftsmodelle, Werkstätten und Vertriebsstrukturen; hinzu kommen neue Wettbewerber und ein stagnierender Neuwagenmarkt bei gleichzeitig hohen Kosten für Standorte, Personal und Fahrzeugbestände. Branchenvertreter sehen zudem das schnelle Wachstum der Gruppe als möglichen Faktor. Nach Angaben der Geschäftsführung wurde bis zuletzt gemeinsam mit Renault, dem Mehrmarkenkonzern Stellantis sowie Finanzierungs- und Beratungspartnern intensiv nach einer Lösung außerhalb der Insolvenz gesucht – ohne tragfähiges Ergebnis.
Vorläufiger Insolvenzverwalter
Im Rahmen des Insolvenzverfahrens wurde der Berliner Rechtsanwalt Dr. Rainer Eckert zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Er hat die Aufgabe, das Vermögen der Schuldnerin zu sichern und zu erhalten. Dies schließt Maßnahmen zur Verwaltung der Bankguthaben und sonstigen Forderungen der Autohaus König GmbH ein. Das Amtsgericht hat hierzu umfangreiche Anordnungen zum Schutz des Schuldnervermögens getroffen. Der Insolvenzverwalter sieht trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten eine Perspektive für das Unternehmen: Das große Filialnetz, die Herstellerpartnerschaften und die erfahrene Belegschaft sollen als Grundlage für die Restrukturierung dienen.
Auswirkungen auf die Gläubiger
Für die Gläubiger der Autohaus König GmbH wurde ein vorläufiger Gläubigerausschuss eingesetzt, zu dem unter anderem Euler Hermes Deutschland und die Bundesagentur für Arbeit gehören. Dies dient der Transparenz und der Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Abwicklung des Verfahrens. Renault und Stellantis haben angekündigt, die Restrukturierung zu begleiten; dabei geht es insbesondere um die Fortführung der Händlerverträge, die Finanzierung des Fahrzeugbestands und die Zukunft der einzelnen Standorte.
Für Kunden soll sich zunächst nichts ändern: Verkauf, Werkstätten, Ersatzteilversorgung und Serviceleistungen laufen an allen Standorten im gewohnten Umfang weiter. Bereits erteilte Reparaturaufträge und laufende Fahrzeugbestellungen werden planmäßig abgearbeitet. Für Kunden, die bereits Anzahlungen auf Fahrzeuge geleistet haben, wollen Geschäftsführung und Insolvenzverwalter gemeinsam mit den Herstellern individuelle Lösungen finden. Renault verweist zudem darauf, dass Service-, Wartungs- und Reparaturarbeiten grundsätzlich auch bei anderen autorisierten Renault- und Dacia-Partnerbetrieben möglich sind.
Zukunftsperspektiven
Die Autohaus König GmbH betreibt rund 84 Standorte in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – davon allein mehr als 30 in und um Berlin sowie über 20 in Sachsen-Anhalt und Thüringen – und beschäftigt rund 1.200 Mitarbeiter. Die Beschäftigten wurden über den Insolvenzantrag informiert; ihre Gehälter sind während des vorläufigen Verfahrens über das Insolvenzgeld abgesichert, die Löhne für August sollen rückwirkend darüber ausgezahlt werden.
Geschäftsführung, Gesellschafterfamilie und Insolvenzverwalter arbeiten gemeinsam mit Herstellern und Banken an einem Fortführungskonzept mit dem Ziel, möglichst viele Standorte und Arbeitsplätze zu erhalten. Welche Filialen langfristig bestehen bleiben, ist derzeit noch offen. Bis ein Konzept vorliegt, bleibt die Zukunft der einzelnen Standorte unsicher. Auch das Engagement als Hauptsponsor des Fußball-Regionalligisten FC Carl Zeiss Jena (Vertrag bis Sommer 2028) steht während der Sanierung auf dem Prüfstand.
Weitere Informationen
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